Posterous theme by Cory Watilo

Kontemplation - keine Bedienungsanleitung

Emergent Forum 2010

Nach den guten Erfahrungen in der Experimentierwerkstatt »Meditation« auf dem Forum letztes Wochenende, freue ich mich, dass wir heute das Kapitel zu Kontemplation aus dem bzwLEBEN-Buch als PDF anbieten können:

→ Kontemplation - keine Bedienungsanleitung

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Die Skizze oben stammt von Maze, weitere Skizzen vom Forum findest du in diesem flickr-Set.

In dem Buch »Beziehungsweise Leben« finden sich auch noch andere sehr interessante Kapitel, daher empfehle ich jeder und jedem, der es nicht schon zu Hause hat, das Buch zu kaufen: Beziehungsweise Leben bei Francke.

Videokabine // Spuren Gottes

Videokabine

Mal angenommen, Gott ist uns nahe. In unserem Alltag sind Spuren Gottes zu entdecken. Wo entdeckst du Spuren Gottes in deinem Leben?

In dieser Videokabine hast du die Möglichkeit ein kurzes Video aufzunehmen, in dem du über Spuren Gottes sprichst, die du in deinem Alltag entdeckst.


Hinter der Videokabine verbarg sich die Idee, dass wir den Rahmen unsere Wahrnehmung Gottes im Alltag erweitern können, und Spuren Gottes an Stellen erahnt werden, an denen wir vorher nicht an ihn oder sie dachten. Leider nutzte niemand die Videokabine, und so dürfte ich der Einzige gewesen sein, der sie von innen gesehen hatte ...

Körpergebet

Augen, die Gottes Taten sehen

Stell dich in den stabilen Stand, atme tief ein und aus. Nimm deine Atmung und deinen Körper wahr. Halte diese Position eine Zeit lang, und fahre erst dann fort.

Beginne damit, nach vorne zu schauen. Während Du betest, drehst Du deinen Kopf in alle Richtungen: so weit nach hinten wie möglich, dann zu beiden Seiten, nach oben und nach unten. Beende Dein Gebet damit, noch einmal nach vorne zu schauen. Lade Gott bei jeder Kopfbewegung ein, Dich mit seinen liebenden Augen andere Menschen, die Natur oder was Dich sonst alles umgibt sehen zu lassen.

Worte //

Gib uns deine Augen,
während wir uns der Zeit deines Kommens nähern.
Gib uns deine Augen,
während wir lernen, mit deiner Liebe zu lieben.
Gib uns deine Augen,
zu Hause, in unseren Gemeinden und in der ganzen Welt.
Gib uns deine Augen,
und lass uns deine Gegenwart in jedem erkennen.


Das Gebet wurde aus dem Buch »Bodyprayer« von Doug Pagitt übersetzt.

Wahrnehmung / einen unbekannten Gott

Wahrnehmung

Als Paulus nach Athen kam, hielt er sich in der Stadt auf, und nahm die Lebensweise, Kultur und Rituale der Bewohner wahr. Dabei stieß er überraschenderweise auf den Altar für einen unbekannten Gott. Darin erkannte er einen Hinweis auf seinen Gott, worüber er anschließend auf dem Areopag sprach.

Da stellte sich Paulus in die Mitte des Areopags und sagte:

Athener, nach allem, was ich sehe, seid ihr besonders fromme Menschen. Denn als ich umherging und mir eure Heiligtümer ansah, fand ich auch einen Altar mit der Aufschrift: einem unbekannten Gott. Was ihr verehrt, ohne es zu kennen, das verkünde ich euch.

Gott, der die Welt erschaffen hat und alles in ihr, er, der Herr über Himmel und Erde, wohnt nicht in Tempeln, die von Menschenhand gemacht sind. Er lässt sich auch nicht von Menschen bedienen, als brauche er etwas: er, der allen das Leben, den Atem und alles gibt. Er hat aus einem einzigen Menschen das ganze Menschengeschlecht erschaffen, damit es die ganze Erde bewohne. Er hat für sie bestimmte Zeiten und die Grenzen ihrer Wohnsitze festgesetzt. Sie sollten Gott suchen, ob sie ihn ertasten und finden könnten; denn keinem von uns ist er fern. Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir, wie auch einige von euren Dichtern gesagt haben: Wir sind von seiner Art. Da wir also von Gottes Art sind, dürfen wir nicht meinen, das Göttliche sei wie ein goldenes oder silbernes oder steinernes Gebilde menschlicher Kunst und Erfindung. Gott, der über die Zeiten der Unwissenheit hinweggesehen hat, lässt jetzt den Menschen verkünden, dass überall alle umkehren sollen. Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis in Gerechtigkeit richten wird, durch einen Mann, den er dazu bestimmt und vor allen Menschen dadurch ausgewiesen hat, dass er ihn von den Toten auferweckte.

Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, spotteten die einen, andere aber sagten: Darüber wollen wir dich ein andermal hören.

Apostelgeschichte 17,22-32

Auch wir sind umgeben von einer Kultur, in der sich Hinweise auf Gott finden. Um diese zu entdecken ist ein Einlassen auf die Kultur erforderlich. Mit Hilfe eines kleingedruckten Textes und einer Lupe wollen wir unseren Blick schärfen.


Das war die Stationsbeschreibung. Das Bild stammt von Judith (flickr-Stream).

Anwesende Abwesenheit

Anwesendeabwesenheit

Stell dir vor, du sitzt in einem Café und wartest seit 45 Minuten auf eine Person, die dir wichtig ist. Allmählich befällt dich die Ahnung, dass du im Stich gelassen wurdest. Sehnsucht ist ein merkwürdiges Phänomen: du könntest zur selben Zeit, ohne die Person 45 Minuten im Café sitzen und den Aufenthalt genießen. Der Unterschied zwischen beiden Situationen ist die Erwartung jemanden zu treffen.
Ist das nicht ein Bild für die Situation, in der man als Gläubiger steht?
Wir erleben die Abwesenheit Gottes, als eine schmerzliche Erfahrung, da wir Gottes Gegenwart erhoffen. So gesehen versammelt sich die Gemeinschaft der Gläubigen nicht um die Anwesenheit Gottes. Sie gibt vielmehr dem Paradoxon der anwesenden Abwesenheit Raum.

Nimm Platz auf dem Stuhl und warte! Bevor du aufstehst und gehst, hinterlasse eine Notiz!


Das war die Stationsbeschreibung. Das Bild stammt von Judith (flickr-Stream).

Danke

Das Forum liegt hinter uns, und ich möchte mich bedanken. Bedanken bei denen, die den Raum zu dem gemacht haben, was er war. Da wären Corinna, Arne und Daniel, die mich beim Aufbau unterstützt und inspiriert haben. Yotin, Arne und Hendrik danke ich für ihre Sessions, die sie zur Beschäftigung mit der Frage des Raumes vorbereitet haben. Und nicht zuletzt jeder und jedem von denen die sich auf den Weg unters Dach gemacht haben, und eine Session oder den Raum besuchten. Danke.

Gesprächsrunde

Um 17 Uhr lade ich (Daniel Ehniss) zu einer Gesprächsrunde in den Themenraum »Gott - unnahbar oder intim?«.

Wir wollen in einem Erfahrungsaustausch über die Entwicklungen/Veränderung unserer Gottesbilder, und deren Auswirkungen auf unser Christ-Sein, voneinander lernen. In diesem Gespräch sollen sowohl Erfahrungen ihren Raum haben, Fragen gestellt werden dürfen und es würde mich freuen, wenn wir auch Perspektiven aufgreifen, welche Möglichkeiten es gibt mit Gott zu leben, und dabei seine Fremdheit und Andersartigkeit zu respektieren.

Anwesende Abwesenheit

(von Daniel)

Während ich im Zug sitze und die Texte für die Stationen in unserem Themenraum schreibe, entdecke ich Yotins Aufruf Gedichte der Abwesenheit Gottes zu verfassen. Da ich gerade an einem Text zu einer Station der »Anwesenden Abwesenheit« schreibe, wollte ich hier einen Gedanken aufgreifen, der mich zu eben erwähnten Station inspirierte:

Let’s be clear about this: as Christians we do not gather around Christ. Though we may metaphorically talk about Christ being present with us, this is not physically true. Remember: it could have been. Jesus appeaered in flesh and blood after the resurrection, and shared life with his followers for a short period of time. There is no reason why this could not have continued, but it didn’t: Jesus left.

Quelle: Kester Brewin - Gathering Around An Absent Christ

Kester führt diesen Gedanken so weiter, dass die anwesende Abwesenheit Gottes einen Raum eröffnet, in dem wir uns einander zuwenden können, und dazu bereit werden einander zu dienen. An der Station frage ich danach, wie sich dieser Raum - das schwarze Loch Gottes - auf das Leben der Kirche niederschlägt. Was würdet ihr hierzu skizzieren?

 

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NB, Ich liebe diese unterschiedlichen Zugänge - und natürlich unterstütze ich auch zutiefst den Aufruf nach Gedichten der Abwesenheit - ich bin schon sehr gespannt solche zu lesen, und auch darauf was sich in den kommenden Tagen alles entwickeln wird ...

Wenn ich es richtig verstehe, dann geht das Zitat auf Peter Aschoffs Blog kürzlich in eine ähnliche Richtung der anwesenden Abwesenheit Gottes und dem was daraus für „die Glaubenden“ folgt.

Schleier sind sexy!

Schleier_sind_sexy

(von Arne Bachmann)

In der Session von 14 - 15 Uhr soll es in dem Raum um die Spannung zwischen Gott als dem "nackten Gott", zu dem ich direkt und unkompliziert Zugang habe, wenn ich mich nur öffne, und dem "verschleierten" Gott, den ich nur indirekt im Ritual, im Sakrament und im Anderen begegne. Ausgehend von einem Blogpost auf Faith & Theology (http://faith-theology.blogspot.com/2008/06/pornographers-dream.html) widme ich mich der Frage zunächst aus ästhetischer Sicht. Der genannte Blogeintrag dreht sich um die Frage: "Wovon träumt der Porno-süchtige? Wovon fantasiert der, dem das nackte Fleisch jederzeit zugänglich ist?". Die Antwort darauf ist: er träumt von Verhüllung! 
Dort heißt es: 
„Vielleicht kann das als ein Gleichnis für die zeitgenössische Tendenz zu experimentellen Gottesdienstformen sein. Dort, wo jeder Gottesdienst eine Möglichkeit „für eine lebensverändernde Erfahrung der göttlichen Gegenwart ist; wo jede Predigt und jedes Gebet 
entworfen ist, um unmittelbaren emotionale Auswirkungen zu haben; wo das ganze Lebens als Christ verwandelt zu einer Jagd 
nach einem „nackten“ Erlebnis des Göttlichen wird, dort kann das Ergebnis nur eine tiefe und lähmende Langeweile sein. Und für die, die 
solcher Langeweile ausgesetzt sind, bleibt das einzige geistliche Begehren das Begehren nach einen geheimnisvollen Gott; ein Gott, der nicht einfach 
nackt und entblößt ist, sondern in Rituale, Sakramente und Traditionen gehüllt.“

Ich möchte deshalb noch einmal die evangelikal-charismatische Spiritualität angucken und daraufhin die Reaktion auf diese aus der alternative Worship-Bewegung, welche oft (siehe Peter Rollins) eine neue mystische Spiritualität und Theologie vertritt. Als Kind des Deutschen Uni-Wesens, das gelernt hat 

in allem Gutes und Schlechtes zu entdecken (oder anders gesagt: der nicht gelernt hat, auch mal Dinge einfach scheiße zu finden), möchte ich beide 
Ansätze aufnehmen und mit euch zusammen über eine "Zweite Naivität des Glaubens" nachzudenken. 

ja, was denn nun?

Ein Eintrag von Yotin:

Als ich Daniel vorschlug, im Themenraum "Gott - unnahbar oder intim?" eine Meditations-Werkstatt anleiten zu können, leuchtete uns beiden ein, dass das passt. Aber welche Seite vom "oder" wird denn mit Meditation unterstrichen? Klar: beim Geschehen der Kontemplation wird man mit Gott "intim". In der Tradition der karmelitischen Theologie des Gebets spielen denn dann auch Bilder aus der biblischen Liebesliedersammlung, dem sogenannten "Hohenlied", eine grosse Rolle. Johannes vom Kreuz schreibt Liebesgedichte, die er selber dann noch einmal auslegt und kommentiert. Der daraus entstandene Kommentar stellt dann eine Theologie der Kontemplation dar.

Der Mensch hat also eine "Praxis" gefunden, die dem Aspekt der Intimität mit "Gott" Rechnung trägt. Wo aber trägt der Mensch der Unnahbarkeit Gottes Rechnung? Wir beten nie im Gottesdienst "Du bist nicht da, Gott", wir bauen seiner Abwesenheit keine Tempel und gönnen ihm nie Urlaub.

Also, hier ist die Challenge: Dichtet von der Abwesenheit und Unverfügbarkeit! - Das sollte ein Ausgleich sein zu der Einladung von Daniel, von Spuren (und seien es auch solche im Sand) zu erzählen.

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NB. Wir kennen ja alle den Witz: "Wie viele Zen-Mönche braucht es, um eine Glühbirne zu wechseln? - Antwort: Drei. Einer, der die Glühbirne reindreht, einer, der sie rausdreht und einen dritten, der sie weder rein noch rausdreht." Also, was ich sagen möchte: Man könnte die Begriffe "Meditation", "unnahbar" und "intim" auch noch anders zusammen stellen. Aber ich lasse den Gedanken oben erst einmal so stehen.

Und dann noch: Wer mit einer kurzen Bedienungsanleitung "sitzen" nicht zufrieden ist: Bruder Johannnes vom Kloster Nütschau und ich laden zu einem Wochenende ins Ansverus-Haus (Aumühle, bei Hamburg) ein:

ICH BIN DA - Meditationswochenende für junge Leute (10.-12. Dezember 2010)